Secession Wien

Die Vereinigung bildender KünstlerInnen Wiener Secession wurde 1897 gegründet. 1898 fand ihre erste Ausstellung statt und noch im selben Jahr wurde das Secessionsgebäude nach Plänen von Joseph M. Olbrich fertiggestellt.

Heute ist die Secession das älteste, ausdrücklich der zeitgenössischen Kunst gewidmete, unabhängige Ausstellungs- haus. Das Ausstellungsprogramm wird von KünstlerInnen der Vereinigung bild- ender KünstlerInnen Wiener Secession auf demokratischer Basis und nach ausschließlich künstlerischen Gesichts- punkten bestimmt. Grundlegendes Anliegen ist die Präsentation aktueller Entwicklungen der österreichischen und internationalen Kunst, sowie Bereitschaft zum Experiment.

DER BEETHOVENFRIES

Gustav Klimt, Beethovenfries: Diesen Kuss der ganzen Welt.
Leihgabe der Österreichischen Galerie Belvedere


DIE BEETHOVEN-AUSSTELLUNG 1902
Gustav Klimt gestaltete den berühmten Beethovenfries für die XIV. Ausstellung der Vereinigung Bildender KünstlerInnen Österreichs Secession, die vom 15. April bis 27. Juni 1902 stattfand. In dieser Ausstellung - als Hommage an den Komponisten Ludwig van Beethoven konzipiert - erfuhr die Idee des secessionistischen Gesamtkunstwerks ihre hervorragendste Ausprägung.

Unter der Leitung von Josef Hoffmann wirkten insgesamt 21 Künstler an der Ausstellung mit. Das Zentrum der Ausstellung bildete die im Hauptraum platzierte Beethovenstatue von Max Klinger, neben Klimts Beethovenfries waren Wandmalereien und Dekorationen von Alfred Roller, Adolf Böhm, Ferdinand Andri und zahlreichen anderen Künstlern zu sehen. Erklärtes Ziel der Ausstellung war es, die einzelnen Künste - Architektur, Malerei, Skulptur und Musik - unter einem gemeinsamen Thema erneut zusammenzuführen: das "Kunstwerk" sollte sich aus dem Zusammenspiel von Raumgestaltung, Wandmalerein und Skulptur ergeben.

Plakatentwurf von Alfred Roller, Katalog zur XIV. Ausstellung 1902.
Foto: Secession

Klimts monumentaler Wandzyklus befand sich im linken Seitensaal, den der Besucher der Ausstellung zuerst betrat. Ein Durchbruch in der Wand gab den Blick auf Max Klingers Beethovenstatue frei und verwies schon beim Eintritt auf das Zusammenwirken von Architektur, Malerei (Klimts Beethovenfries) und Skulptur (Klingers Beethoven).
XIV. Ausstellung 1902, Hauptraum mit "Beethovenstatue" von Max Klinger.
Foto: Secession

Die XIV. Ausstellung zählte beinahe 60.000 BesucherInnen und wurde damit zu einem der größten Publikumserfolge der Secession.
Darüber hinaus war sie von grund- legender Bedeutung für die Entwicklung Klimts und zahlreicher anderer teil- nehmender Künstler: das Ideal des Zusammenwirkens der verschiedenen Künste und die in der Beethoven- ausstellung erprobte Zusammenarbeit wurden u.a. von der Wiener Werkstätte erfolgreich weitergeführt.

Der Beethovenfries zählt heute zu den Hauptwerken Klimts und gilt als einer der Höhepunkte des Wiener Jugendstils.

SYNOPSIS
"Der Beethovenfries wird zusammen- fassend von drei wesentlichen Neuer- ungen geprägt: von der monumentalen, flächenhaften Isolierung der mensch- lichen Gestalt, von der inhaltsbetonenden Funktion der Linie sowie von der dominierenden Rolle der Ornamentik. Die Teilnahme am "Experiment Beethoven" bildete für Klimt den Auftakt zu den Hauptwerken seiner "Goldenen Periode". Heute gilt die monumentale Allegorie als Schlüsselwerk in der Entwicklung des Künstlers." *)

Das Thema des Frieses bezieht sich auf Richard Wagners Interpretation der IX. Sinfonie von Ludwig van Beethoven. Die drei bemalten Wände bilden - beginnend an der linken Seitenwand - eine zusammenhängende Erzählung.

*) Marian Bisanz-Prakken, Der Beethovenfries von Gustav Klimt und die Wiener Secession. In: Gustav Klimt - Beethovenfries, Secession 2002

Gustav Klimt, Beethovenfries: Diesen Kuss der ganzen Welt.
Leihgabe des Belvedere

FÜHRUNGEN
jeden Samstag um 15 Uhr und Sonntag um 11 Uhr sowie nach Vereinbarung.
(auch fremdsprachige Führungen möglich)
Information: Tel. 01-587 53 07-11

EINTRITTSPREISE

     
AUSSTELLUNGEN UND BEETHOVENFRIES  
Erwachsene  

€ 8,50-

 
Gruppen (ab 8 Personen) pro Person   € 5,50,-  
Ermässigt (Schüler, Studenten, Senioren)   € 5,-  
Gruppen ermässigt (ab 8 Personen) pro Person   € 3,50  
       
FÜHRUNGEN  
Samstag um 15 Uhr und Sonntag um 11 Uhr
Zuzüglich Eintrittspreise, pro Person
  € 1,50  
Führungen nach Vereinbarung   € 35,-  
Für Schülergruppen
  € 25,-  


Gruppen mit max. 25 Personen
Kinder unter 10 Jahren gratis

AUSSTELLUNGEN

The Death of the Audience

kuratiert von Pierre Bal-Blanc

3. 7. 30. 8. 2009

Rasheed Araeen, Bernard Bazile, Robert Breer, Carlo Quartucci e Carla Tato, Eduardo Costa, Josef Dabernig, DANS.KIAS/Saskia Hölbling/Odile Duboc, Anna Halprin, Lawrence Halprin, Sanja Iveković, Anna Molska/Grzegorz Kowalski, Jiří Kovanda, Nicola L., David Lamelas, David Medalla, Hans Walter Müller, Gianni Pettena, Walter Pfeiffer, Emilio Prini, Goran Trbuljak, Isidoro Valcárcel Medina, Franz Erhard Walther, Lois & Franziska Weinberger und Werke von Bernard Aubertin, Cornelius Cardew, André du Colombier, Michel Journiac, Yves Klein, Pierre Klossowski, Július Koller, Edward Krasiński, John Latham, Piero Manzoni, Franz-Xaver Wagenschön.

Die Ausstellung The Death of the Audience wird in Wien an einem legendären Ort gezeigt, der eine wesentliche Rolle bei der Entstehung der Moderne spielte und als erster White Cube gilt. In diesem Gebäude hat die Geschichte der westlichen Kunst Ende des 19. Jahrhunderts eine Wende in Form eines radikalen Bruchs erfahren. Die von den KünstlerInnen ausgehende Revolte schuf die Bedingungen für die Rückkehr der Kunst in die Gesellschaft, indem die Grenzen zwischen den institutionellen Disziplinen gesprengt wurden. Diese Revolution im Feld der Kunst, die sich gegenüber der industriellen Revolution positionierte, gewichtete die Werte rund um den Begriff des „Gesamtkunstwerks“ neu und war namensgebend für diesen Ort: Secession.

 

The Death of the Audience hinterfragt am Schauplatz dieser Ereignisse die Jahre 1960–1980, die ebenfalls eine Zäsur in unserer Zeitgeschichte setzten. Im Fokus stehen die Positionen jener KünstlerInnen, die die ProtagonistInnen dieser neuen Periode des Umbruchs waren, die sich insbesondere um 1970 manifestierte. Für diese beiden Perioden der Revolte, zwischen denen sich die moderne Kunst konstituierte und die beiden Weltkriege stattfanden, könnte man in vielen Punkten Gemeinsamkeiten finden. Man könnte sogar so weit gehen zu sagen, dass der Wiener Jugendstil eine Postmoderne vor der Moderne war. Oder versucht sein, die Figur des emanzipierten Secessionskünstlers mit jenen zeitgenössischen KünstlerInnen zu vergleichen, die manche heute (unabhängig von den KünstlerInnen selbst) als anti-, alter- oder neomoderne KünstlerInnen (Altermodern, Tate Triennale, 2009, London) bezeichnen. Man könnte auch die Kulisse der industriellen Revolution des 19. Jahrhunderts mit jener der Gesellschaft des Spektakels der 1970er Jahre vergleichen, die bis heute andauert, wenn man versucht, die neue Rolle der Künstlerin/des Künstlers zu definieren (Weltenmachen, 53. Biennale di Venezia, 2009 oder Le spectacle du quotidien, Lyon-Biennale 2009).

 

Die Ausstellung The Death of the Audience jedoch versucht wie andere Initiativen auch (What Keeps Mankind Alive? Istanbul-Biennale, 2009), die radikale Veränderung aufzuzeigen, die zwischen diesen beiden historischen Perioden stattfand. Der Titel der Ausstellung markiert diese Veränderung, indem er den Akzent von der Rolle und Mission der Künstlerin/des Künstlers auf das Publikum verlagert. Die Alternative Emanzipation oder Entfremdung ist wohl eine der wesentlichen Herausforderungen sowohl der proto-revolutionären als auch der postmodernen revolutionären Periode. Tatsächlich hat sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts alles auf die Person des Künstlers (heterosexuell, männlich) konzentriert (L’art pour l’art, die Manifeste, die Autoreflexivität), wohingegen sich diese Herausforderung seit 1968 auf der Ebene des Betrachters zeigt (das Verschwinden der Künstlerin/des Künstlers, die Gender-Frage, der Begriff der Partizipation, das Publikum). Der Titel The Death of the Audience, der Bezug nimmt auf das 1968 erschienene Buch Der Tod des Autors von Roland Barthes, konstatiert den Tod der Betrachterin/des Betrachters, dem wir beiwohnen, als logische Konsequenz. Die Ausstellung thematisiert die damit verbundene Trauer in zweierlei Hinsicht. Die Betrachterin/der Betrachter ist tot. Entweder sie/er ist emanzipiert –­ der Kunst ist es gelungen, eine interaktive Dynamik zu erzeugen, die den Status und Namen der Protagonisten (Jacques Rancière) neu definiert – oder sie/er hat sich vom Werk entfremdet und auf einen Prozess der Interpassivität eingelassen, der sie/ihn letztlich absorbiert und ihr/ihm seinen Namen raubt (Slavoj Žižek).

 

Die in dieser Ausstellung vertretenen KünstlerInnen verbindet, dass sie sich sehr früh der Grenzen dieser Alternative bewusst waren. Indem sie marginalisiert waren oder sich vom Markt oder den Institutionen marginalisieren ließen, haben sie die Kunst vor allem als kritische, konkrete und alltägliche Praxis entdeckt. Ihre Secession, ihre Abspaltung, sollte die unsere als BetrachterInnen sein: eine Weigerung, sich auf eine Rolle festlegen zu lassen.

 

 

 

 

 

 

Steckbrief

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Friedrichstraße 12

EUR 4,50
Dienstag – Sonntag 10–18 Uhr
Donnerstag 10–20 Uhr
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